Der verfrühte Pumpen-Tod
KI-Hinweis: Dieser Text entsteht mit Unterstützung von KI-Systemen, wird aber vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.
Die Schrittweite eines Bombers — der Abstand, in dem er seine Bomben in den Speicher legt — ist die am besten erforschte Konstante in Core War. Es gibt Werkzeuge, die sie ausrechnen, und Faustregeln, die seit dreißig Jahren gelten: gutes Gitter, schnelle Deckung, kein früher Selbsttreffer. Trotzdem streute bei einem unserer Versuchs-Bomber die Verlustquote gegen unseren eigenen Arvon zwischen 45 und 64 Prozent — bei Schrittweiten, die nach allen Faustregeln gleichwertig waren.
Diese Seite erzählt, wie wir den Grund gefunden haben, und warum der Befund trotz sauberer Bestätigung keine Bauregel geworden ist.
Was vorher schon feststand
Ein erster Ausschlusstest war bekannt: Trifft der Bomber sich innerhalb der ersten 2500 Zyklen selbst, verliert er gegen Arvon zu 75 bis 82 Prozent. Der Test ist gegnerfrei — man lässt den Bomber gegen einen inerten Dummy laufen und schaut, wann die erste Bombe in die eigenen Zellen fällt.
Unter den Schrittweiten ohne frühen Selbsttreffer blieb aber eine Streuung von 45 bis 64 Prozent. Vorab, ohne Registrierung und nur zum Sortieren, haben wir alles probiert, was die Lehrbücher nennen: Gitter-Residuen, Deckungszeiten, den analytisch ersten Eigentreffer, die Nähe zu Arvons eigenen Konstanten. Nichts davon korrelierte stärker als 0,3 mit der Mechanik.
Ein Minimalpaar
Zwei benachbarte Schrittweiten, 2667 und 2669, erzeugen dasselbe Dreifront- Gitter und unterscheiden sich sonst in nichts. Verlust gegen Arvon auf drei Seeds: 48,5 / 53,5 / 52,5 Prozent gegen 60,8 / 61,0 / 63,0 Prozent. Der Unterschied war echt und reproduzierbar — aber die Hypothese „Arvon wird früher infiziert" erklärte ihn nicht: Innerhalb der Klassen wechselte die Differenz das Vorzeichen.
Eine Spur blieb: die eigene Prozesszahl des Bombers nach 20 000 Zyklen, im Median 1834 gegen 4300. Arvons Stone bombt mit DAT und kann so etwas nicht erzeugen. Also gegnerfrei nachgemessen, gegen den Dummy: Bomber 2669 hat nach 2500 / 5000 / 10 000 / 20 000 Zyklen 72 / 739 / 3068 / 7723 Prozesse — er trifft sich zwischen 2500 und 5000 Zyklen selbst, die Prozesszahl verzehnfacht sich. Bomber 2667: 72 / 101 / 142 / 2483, Selbsttreffer erst zwischen 10 000 und 20 000 Zyklen.
Erste Hypothese: „später Selbsttreffer" — verworfen
Die naheliegende Regel lautete: Ein später Selbsttreffer ist gut. Vor dem Test festgeschrieben, dann ein Scan aller 1349 Schrittweiten ohne gemeinsamen Teiler mit dem Speicher. Ergebnis: 914 davon, 68 Prozent, haben einen „späten" Selbsttreffer — das ist die Norm, kein Unterscheidungsmerkmal. Fünf zufällige neue Schrittweiten je Klasse, drei Seeds: 53,0 gegen 54,6 Prozent Verlust, Differenz −1,6 Punkte. Verworfen. Der Befund aus dem Minimalpaar trug nicht als Regel.
Zweite Hypothese: der verfrühte Pumpen-Tod — bestanden
Im Scan fiel eine dritte Signatur auf, ehrlich gesagt erst nach dem ersten Fehlschlag: Bei manchen Schrittweiten liegt die eigene Prozesszahl gegen den Dummy sowohl nach 5000 als auch nach 10 000 Zyklen unter 90 — statt der normalen Pumpenkurve von etwa 101 und 142. Das heißt: Der Split-Befehl, der dem Bomber laufend Prozesse nachliefert — seine Pumpe —, wird nicht mehr ausgeführt.
Der Trace zeigt, was passiert: Die letzte Pumpen-Ausführung liegt bei etwa 3828 Zyklen; danach fällt die Bombenschleife durch, und der Teil des Moduls, der eigentlich erst am Ende aufräumen soll, startet verfrüht. Der Bomber bombt ab etwa 4000 Zyklen nicht mehr. 104 von 1349 Schrittweiten, 7,7 Prozent, zeigen diese Signatur.
Vorab festgelegte Kriterien, dann fünf zufällige neue Schrittweiten je Klasse gegen Arvon, drei Seeds:
| Klasse | Verlust gegen Arvon |
|---|---|
| Pumpe stirbt verfrüht | 60,5 / 63,3 / 63,1 / 61,1 / 67,6 — Mittel 63,1 % |
| Pumpe läuft normal | 57,6 / 49,2 / 42,2 / 45,8 / 48,9 — Mittel 48,7 % |
Differenz +14,4 Prozentpunkte gepoolt, je Seed +14,2 / +16,5 / +12,4; die Gruppen überlappen nicht. Alle vier Vorab-Kriterien erfüllt. Bestanden.
Die Falle: gilt das für Redcode oder nur für diesen Bomber?
Ein Mechanismus, der an einem Kern gegen einen Gegner gemessen ist, ist noch keine Aussage über das Spiel. Deshalb die zweite Prüfung, auf beiden Achsen.
Anderer Gegner, derselbe Bomber. Gegen Nine Seven Six von M. R. Bremer, einen Scanner aus dem Archiv, der als Stellvertreter für einen Hill-Bewohner dient: 55,1 gegen 49,6 Prozent, Differenz +5,5 Punkte, je Seed +6,2 / +4,3 / +6,0. Gleichgerichtet, aber nur ein Drittel so groß wie gegen Arvon und innerhalb von etwa zwei Standardfehlern. Die Schwelle (+8 gepoolt, +5 je Seed) ist verfehlt; die Verwerfung ausgelöst ist sie nicht. Urteil: trägt, nicht vollständig.
Anderer Kern, derselbe Gegner. Der einzige Kern aus unserem Katalog mit derselben Bauart — Pumpe, Bombe, Schrittweite, Zähler — ist die Extraktion aus Carbonite von David Moore. Pumpenkurve identisch (101 / 142), Signatur sauber klassifizierbar. Ergebnis gegen Arvon: 91,6 Prozent Verlust bei verfrühtem Pumpen-Tod, 91,1 Prozent bei laufender Pumpe. Ein vorab festgelegter Deckeneffekt (Mittel über 75 Prozent Verlust) macht das nicht auswertbar: Selbst der tote Bomber verliert nicht mehr als der lebende, weil dieser Kern gegen Arvon ohnehin nichts ausrichtet (solo 92,8 bis 96,5 Prozent Verlust).
Zum Vergleich der ursprüngliche Kern solo: 46,2 Prozent Verlust bei 53 Prozent Remis. Er „gewinnt" gegen Arvon kaum je — er überlebt.
Was bleibt
Für diesen Bomber gegen Arvon gibt es jetzt zwei gegnerfreie Ausschlusstests für Schrittweiten: früher Selbsttreffer (Verlust 75 bis 82 Prozent) und verfrühter Pumpen-Tod (60 bis 68 Prozent); die reine Pumpenkurve landet bei 42 bis 58 Prozent. Beide sind Fehlfunktionen der eigenen Mechanik, keine Eigenschaft des Gegners — und genau deshalb sagten Gitter- und Deckungsmaße nichts voraus. Sie messen, wo die Bomben hinfallen, nicht, ob der Bomber noch lebt, um sie zu werfen.
Eine Bauregel ist es trotzdem nicht geworden. Die zweite Prüfung ist auf beiden Achsen nicht bestanden, und beim Nachrechnen der Sieg/Remis/Verlust- Zahlen zeigte sich, warum der Faden ohnehin keinen Kandidaten liefern konnte: Der Bomber gewinnt gegen Arvon in keiner Klasse (0,5 bis 1,7 Prozent Siege). Alle Unterschiede dieser Messreihe sind Verschiebungen zwischen Remis und Niederlage. Das Schrittweiten-Regime ist ein Überlebensmaß, kein Angriffsmaß. Bei drei Punkten je Sieg und einem je Remis ist das zweitrangig.
Merksatz: Eine Deckenklausel, die vorab steht, macht aus einem 91-Prozent-Ergebnis „nicht auswertbar" statt „kein Effekt". Und eine Kontrollzelle vor der Registrierung hätte 18 000 Kämpfe gespart.
Messkonvention
- Alle Serien vorab registriert (Hypothese, Klassen, Schwellen und Verwerfungskriterien vor der Messung festgeschrieben).
- 3 Seeds × 400 feste Startpositionen je Paarung; Verlust in Prozent der Runden.
- Signaturen gegnerfrei gemessen: eigener Bomber gegen inerten Dummy, eigene Prozesszahl nach 2500 / 5000 / 10 000 / 20 000 Zyklen.
- Gegnerwahl für die zweite Prüfung mechanisch aus dem Testfeld v16 (erster Scanner-Platz mit Kontroll-Verlust zwischen 40 und 70 Prozent).
- Quellen: Nachträge N1387 und N1388 (8. Oktober 2026), aufbauend auf N1254.
Attribution
Der Versuchs-Bomber ist ein Laborbau und steht auf keinem Hill. Carbonite stammt von David Moore, der Scanner-Gegner der Gegenprobe, Nine Seven Six, von M. R. Bremer (Königstuhl-Archiv); von beiden wird hier kein Quelltext wiedergegeben. Arvon ist ein eigener Warrior (Stefan Kammann & Forge-AI), Klasse Paper/Stone mit Quickscanner.
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