Lernpfad · Schritt 3 von 5
2026-07-18 · Lesezeit ~6 min

Die Strategieklassen

KI-Hinweis: Dieser Text entsteht mit Unterstützung von KI-Systemen, wird aber vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.

Aus 16 Befehlen sind über vier Jahrzehnte eine Handvoll Grundformen entstanden. Fast jeder Warrior, den du auf einem Hill findest, ist eine davon — oder eine Mischung aus zweien.

Dieses Kapitel stellt sie vor. Und weil über ihre Kräfteverhältnisse seit dreißig Jahren dieselben Sätze weitergegeben werden, prüfen wir am Ende nach, ob sie stimmen. Zwei von drei tun es nicht.

Die Grundformen

Stone — der Bomber

Der Dwarf aus Schritt 1 ist einer. Ein Stone bleibt stehen und wirft blind DAT-Bomben in gleichmäßigen Abständen durch den Core. Er sucht nicht, er streut. Klein, schnell, unkompliziert.

Seine Stärke ist die Geschwindigkeit: Er ist nach wenigen Zyklen bei voller Wirkung. Seine Schwäche ist, dass er nicht merkt, ob er trifft — und dass ein Gegner, der sich schneller vermehrt, als der Stone bomben kann, einfach weiterläuft.

Paper — der Replikator

Ein Paper kopiert sich selbst an immer neue Stellen im Core und startet dort weitere Prozesse. Statt anzugreifen, wird es zu einer Population. Ein Bomber zerstört zwar fortlaufend Kopien — aber sie entstehen schneller, als er sie treffen kann.

Die bekannteste Bauform heißt Silk: Sie kopiert sich, bevor sie den neuen Prozess startet, und braucht dafür bemerkenswert wenige Instruktionen.

Papers gewinnen selten schnell. Sie gewinnen dadurch, dass sie nicht sterben.

Scanner — der Sucher

Ein Scanner durchsucht den Core nach Abweichungen vom leeren Zustand. Findet er etwas, schlägt er gezielt zu, statt zu streuen.

Hier lohnt sich die Erinnerung an Schritt 1: Der leere Core ist überall DAT.F $0, $0. Ein Scanner sucht also nach Zellen, die anders aussehen. Das hat eine unmittelbare Folge, die viele überrascht — wer mit DAT 0, 0 bombardiert, hinterlässt keine Spur, die ein solcher Scanner findet. Die Bombe ist tödlich und unsichtbar zugleich.

Ein Quickscanner ist ein besonders schneller Vorspann: Er prüft in den allerersten Zyklen einige wenige, weit auseinanderliegende Stellen. Trifft er, ist der Kampf oft vorbei, bevor der Gegner richtig angefangen hat. Trifft er nicht, schaltet der Warrior auf seine eigentliche Strategie um. Deshalb siehst du in Strategiebeschreibungen so oft qscan -> irgendwas: Der Quickscanner ist kein eigener Warrior, sondern eine Eröffnung.

Imp — der Unsterbliche

Kennst du aus Schritt 1. Kopiert sich vorwärts und läuft hinterher. Kann nicht gewinnen, ist aber schwer zu töten. Kommt heute fast nie allein vor, sondern als Rückfallebene: Wenn der Hauptkörper stirbt, läuft der Imp weiter und rettet wenigstens das Unentschieden.

Vampire — der Sklavenhalter

Ein Vampire bombardiert nicht mit DAT, sondern mit JMP-Befehlen, die auf eine Grube im eigenen Code zeigen. Läuft ein gegnerischer Prozess darauf, wird er nicht getötet, sondern umgeleitet — und arbeitet fortan für den Angreifer, bis er in der Grube verhungert.

Elegant, und gegen einzelne Prozesse sehr wirksam. Gegen eine Prozessflut nicht: Man kann nicht schneller versklaven, als der Gegner neue Prozesse erzeugt. Die Zahlen weiter unten zeigen das drastisch.

Oneshot — der Scharfschütze

Ein Oneshot scannt einmal, sehr gründlich, und setzt alles auf diesen einen Treffer: Wird der Gegner gefunden, folgt sofort ein vernichtender Angriff. Wird er nicht gefunden, geht der Warrior meist in eine Ausweichstrategie über.

Clear — die Planierraupe

Ein Core-Clear läuft systematisch durch den Speicher und überschreibt alles. Kein Suchen, kein Zielen — schlicht Fläche. Wird selten allein eingesetzt, meistens als Endphase, nachdem ein Scanner den Gegner grob geortet hat.

Und jetzt die Wahrheit

Über das Verhältnis dieser Klassen zueinander gibt es einen Satz, den die Szene seit den frühen Neunzigern weitergibt:

Scanner schlägt Paper, Paper schlägt Stone, Stone schlägt Scanner.

Ein sauberes Schere-Stein-Papier. Es steht in Anleitungen, in Forenbeiträgen, in Kommentaren im Quelltext.

Wir haben es nachgerechnet. Grundlage sind 349.866 Paarungen à 1000 Runden aus dem Königstuhl-Feld — 837 Warriors, deren Klasse sich aus den Strategieangaben der Autoren belastbar bestimmen ließ.

Behauptung Gemessen Urteil
Scanner schlägt Paper −8,2 — Paper gewinnt falsch
Paper schlägt Stone +45,3 stimmt, mit Abstand am deutlichsten
Stone schlägt Scanner +4,6 praktisch ausgeglichen

Von den drei Kanten des Dreiecks hält genau eine.

Farbraster mit sieben Zeilen und sieben Spalten für die Strategieklassen, jede Zelle mit ihrem Zahlenwert beschriftet. Werte unter 150 sind rot eingefärbt, Werte darüber blau. Die Oneshot-Zeile ist durchgehend blau, die Imp- und die Vampire-Zeile überwiegend rot; das kräftigste Blau steht bei Paper gegen Vampire.
Die vollständige Matrix. Je heller, desto besser schneidet die Zeilenklasse gegen die Spaltenklasse ab; 150 ist ausgeglichen.

Warum die Folklore nicht mehr stimmt

Nicht, weil sie damals falsch war. Sondern weil sich das Feld verändert hat.

„Paper" bezeichnet heute fast nie mehr ein reines Paper. Die häufigste Bauform im Feld ist die Kombination Paper mit Stone — ein Replikator, der nebenbei bombardiert. Und der Vergleich zeigt, warum sich das durchgesetzt hat:

gegen Paper+Stone reines Paper reiner Stone
Paper 125,2 112,8 87,4
Stone 166,6 148,4 122,1
Scanner 161,9 133,4 132,6
Gesamt 149,4 130,6 114,1

Der Hybrid gewinnt nicht nur im Durchschnitt, sondern in jeder einzelnen Spalte. Damit löst sich auch das Rätsel aus der Tabelle davor: Die Anti-Scanner-Stärke der „Paper"-Klasse stammt größtenteils aus den Stone-Anteilen der Hybride. Die Folklore beschreibt Reinformen, die im Feld kaum noch vorkommen.

Die stille Königsklasse

Ein Befund, der in keiner Anleitung steht: Der Oneshot ist die einzige Klasse ohne Schwäche. Er gewinnt gegen jede andere Klasse — gegen Paper mit +43,9, gegen Clear mit +46,9, gegen Imp mit +61,8.

Dazu gehört allerdings eine ehrliche Einordnung, sonst zieht man den falschen Schluss: Die Oneshots dieses Feldes sind zugleich seine Elite (bester Klassenschnitt, bester Median-Rang). Die Matrix misst also die Oneshots, die tatsächlich eingereicht wurden — nicht die Klasse als Idee. Dass Oneshots vorne liegen, heißt nicht automatisch, dass dein erster selbstgebauter Oneshot gewinnt.

Weitere klare Kanten

  • Paper zermalmt Vampire: +75,0. Der deutlichste Effekt der ganzen Matrix. Fallgruben skalieren nicht gegen Prozessfluten — genau die theoretische Schwäche der Klasse, hier als Zahl.
  • Scanner frisst Imps: +54,3 und Clears: +42,4.
  • Paper gegen Paper: nur 117,7. Papierkriege enden fast immer unentschieden. Zwei Populationen, die sich beide nicht ausrotten können — genau wie die zwei Imps aus Schritt 1, nur größer.

Was du daraus mitnehmen solltest

Erstens: Reinformen sind Lehrmodelle. Was auf Hills gewinnt, sind Hybride. Wenn du deinen ersten ernsthaften Warrior baust, ist die Frage nicht „welche Klasse", sondern „welche zwei, und wie verbinde ich sie".

Zweitens: Prüf überliefertes Wissen nach. Der Satz vom Schere-Stein- Papier wird seit dreißig Jahren weitergegeben und ist zu zwei Dritteln nicht mehr richtig. Nicht aus Schlamperei — das Feld hat sich unter der Regel weggedreht, und niemand hat nachgemessen.

Genau das kannst du heute selbst. Wie man dabei nicht auf den Zufall hereinfällt, ist das Thema des nächsten Schritts.


Alle Zahlen aus der Klassen-Matchup-Matrix des Königstuhl-Feldes (Stand Juli 2026): 837 klassifizierte Warriors, 349.866 Paarungen à 1000 Runden. Die Klassenzuordnung stammt aus den ;strategy-Angaben der Autoren; 267 Warriors ohne belastbare Zuordnung wurden ausgeschlossen statt geraten.



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