Auf einen Hill
KI-Hinweis: Dieser Text entsteht mit Unterstützung von KI-Systemen, wird aber vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.
Irgendwann reicht es nicht mehr, den eigenen Warrior gegen zwei, drei Gegner laufen zu lassen, die man selbst geschrieben hat. Man will wissen, wo er steht.
Dafür gibt es Hills: öffentliche Ranglisten, auf denen jeder neue Warrior gegen alle bereits vorhandenen antritt. Sie laufen seit den frühen Neunzigern, sie sind kostenlos, und man braucht dafür nichts weiter als eine E-Mail-Adresse.
Was ein Hill ist
Ein Hill ist ein Server mit einer Warteschlange. Du schickst einen Warrior hin, er wird gegen jeden anderen Warrior auf dem Hill gerechnet — üblicherweise über mehrere hundert Runden pro Paarung — und bekommt daraus eine Punktzahl. Anschließend steht er in der Rangliste.
Wichtig, und für Neulinge oft verwirrend:
Der Punktestand ist ein Durchschnitt gegen das aktuelle Feld und wird nie eingefroren.
Dein Warrior kann Punkte verlieren, ohne dass du irgendetwas tust — weil jemand anderes etwas eingereicht hat, das gut gegen ihn läuft, und sich damit das Feld geändert hat. Eine Punktzahl ist also keine Eigenschaft deines Warriors, sondern eine Aussage über sein Verhältnis zu allen anderen.
Zwei Philosophien
Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Bauarten, und man sollte wissen, auf welcher man gerade steht.
Der Verdrängungs-Hill. Feste Größe, meist 20 Plätze. Kommt ein neuer Warrior hinzu und ist besser als der Letzte, fliegt der Letzte raus — endgültig. Das Feld bleibt klein, aktuell und hart. Dort steht nur, was sich gerade behauptet. So arbeitet der klassische Hill auf koth.org.
Der unbegrenzte Hill. Jeder Warrior bleibt, für immer. Das Feld wächst über die Jahre zu einem Archiv, auf dem heutige Programme gegen drei Jahrzehnte Warrior-Geschichte antreten. So arbeitet der Königstuhl von Christoph Birk, auf dem inzwischen über 1100 Warriors stehen.
Beide messen etwas anderes. Auf dem Verdrängungs-Hill zählt, ob du die gegenwärtige Spitze schlägst. Auf dem unbegrenzten Hill zählt, wie du dich gegen das gesamte historische Spektrum schlagen — inklusive vieler schwacher Einträge, gegen die praktisch jeder gewinnt.
Wie die Punkte entstehen
Die übliche Formel kennst du aus Schritt 1:
Punkte = (Siege × 3 + Unentschieden) × 100 / Runden
Drei Punkte für einen Sieg, einer für ein Unentschieden, keiner für eine Niederlage. Daraus folgt etwas, das nicht auf den ersten Blick offensichtlich ist: Ein Unentschieden ist ein Drittel Sieg wert. Ein Warrior, der viel überlebt und wenig gewinnt, kann einen aggressiveren schlagen, der öfter gewinnt und öfter stirbt. Ties sind kein Ausweichergebnis, sondern ein strategisches Werkzeug — und viele Spitzen-Warriors sind bewusst darauf gebaut.
Was realistisch ist
Ein Blick auf das Feld des Königstuhls (1104 Warriors, Stand Juli 2026), damit du deine eigenen Ergebnisse einordnen kannst:
| Punkte | |
|---|---|
| Schwächster Eintrag | 9,66 |
| Unteres Viertel | 115,5 |
| Mittelwert (Median) | 150,9 |
| Oberes Viertel | 165,7 |
| Spitzenreiter | 186,85 |
Und jetzt die Zahl, die am meisten über Core War aussagt:
Zwischen Platz 1 und Platz 3 liegen 0,71 Punkte. Zwischen Platz 1 und Platz 10 liegen 5,76 Punkte.
In die obere Hälfte zu kommen, ist Handwerk — dafür reicht ein sauber gebauter Warrior einer der klassischen Klassen. Die letzten fünf Punkte an der Spitze sind ein vollkommen anderes Spiel, bei dem einzelne Konstanten über Ränge entscheiden. Lass dich davon nicht entmutigen: Der Sprung von „läuft" auf „Mittelfeld" ist groß und schnell zu haben, der von „gut" auf „Platz 1" kostet Monate.
Zwei Wertungen, zwei Fähigkeiten
Manche Hills führen zwei Ranglisten desselben Feldes. Die eine gewichtet alle Gegner gleich, die andere gewichtet Siege gegen starke Gegner höher.
Das ist nicht bloß eine andere Darstellung, sondern misst tatsächlich etwas anderes. Auf dem Königstuhl sind die Top 10 der beiden Wertungen nur zu 8 von 10 identisch besetzt, und über das ganze Feld verschiebt sich ein Warrior im Mittel um 36 Plätze. Ein Extremfall: Silkworm steht in der einen Wertung auf Rang 450 und in der anderen auf Rang 166.
Übersetzt: „schlägt den Durchschnitt" und „schlägt die Elite" sind verschiedene Fähigkeiten. Ein Warrior, der das breite Mittelfeld abräumt, aber gegen die Spitze verliert, sieht in der einen Wertung gut und in der anderen mittelmäßig aus. Genau deshalb gibt es beide Listen.
Einreichen
Die Einreichung läuft per E-Mail. Kein Formular, kein Konto, keine Anmeldung — das System ist älter als das Web, wie wir es kennen, und funktioniert bis heute.
Der Warrior-Quelltext kommt in den Text der E-Mail, nicht in einen Anhang. Anhänge werden ignoriert. Die allererste Zeile bestimmt, auf welchen Hill die Einreichung geht:
;redcode-94nop
;name Mein Warrior
;author Dein Name
;strategy Kurz gesagt, was er tut.
;assert CORESIZE == 8000
ORG start
start MOV.I $0, $1
END
Nützliche Zusatzzeilen:
| Zeile | Wirkung |
|---|---|
;test |
Nur übersetzen, nicht einreichen. Ideal für den ersten Versuch. |
;password <wort> |
Setzt ein Kennwort, mit dem du den Warrior später zurückziehen kannst. |
;kill <name> |
Entfernt einen eigenen Warrior (braucht das Kennwort). |
Ein Server, der so alt ist, hat Eigenheiten. Eine davon: Setz kein
;assert auf die Rundenzahl. Manche Hills übersetzen den Warrior vorab mit
anderen Einstellungen, und die Prüfung schlägt dann fehl, obwohl der Warrior
völlig in Ordnung ist.
Die Formfehler, an denen es wirklich scheitert
Und jetzt der Teil, den keine andere Anleitung erwähnt, weil man ihn erst lernt, wenn man ihn erlebt hat. Wir haben unsere ersten beiden Einreichungen nicht am Warrior, sondern am E-Mail-Format verloren.
Schick die Mail als reinen Text. Wenn dein Programm HTML oder „formatierten Text" verschickt, wandelt es Ausrichtungs-Leerzeichen in geschützte Leerzeichen um. Auf dem Server kommen die als unbekannte Zeichen an, und du bekommst für jede betroffene Zeile eine Fehlermeldung wie:
Error in line 18: 'qfac equ 163'
Unrecognized or improper placement of token: '?'
Der Warrior ist völlig in Ordnung. Nur die Leerzeichen sind es nicht.
- Thunderbird: Umschalt gedrückt halten beim Klick auf „Verfassen"
- Outlook: Text formatieren → Nur-Text
- Gmail: Menü ⋮ im Editorfenster → Nur-Text-Modus
Halt die Zeilen kurz. Viele Programme brechen bei etwa 78 Zeichen automatisch um. Passiert das mitten in einer Kommentarzeile, steht die zweite Hälfte plötzlich ohne Semikolon in der Datei — und wird als Code gelesen:
Error in line 10: 'constants)'
Unrecognized or improper placement of token: ')'
Auch hier ist nichts am Warrior falsch. Bleib unter 70 Zeichen pro Zeile, dann kann es nicht passieren. Lange Trennlinien aus Bindestrichen und breite Kommentarblöcke sind die typischen Auslöser.
Teste zuerst mit ;test. Der Server übersetzt dann nur und antwortet
mit dem Ergebnis, ohne dass etwas eingereicht wird. Zwei Minuten, die einen
Fehlversuch sparen.
Und wenn gar nichts zurückkommt? Dann liegt es meistens nicht an dir. Diese Server sind Jahrzehnte alt und laufen ehrenamtlich; Ausfälle von Stunden oder Tagen kommen vor. Manche bremsen eingehende Verbindungen außerdem absichtlich aus, um Spam abzuwehren — sie lassen einen Absender erst nach einer Minute Wartezeit zu. Ein Mailprogramm, das vorher aufgibt, stellt dann nie zu, und weil das auf der Transportebene passiert, bekommst du oft nicht einmal eine Fehlermeldung.
Die richtige Reaktion ist Geduld, nicht Nachbessern: einmal senden und liegen lassen. Ein ordentlicher Mailserver hält die Nachricht mehrere Tage vor und stellt sie zu, sobald die Gegenseite wieder erreichbar ist. Schick den Warrior nicht zehnmal — und such dir vor allem keine Ersatzadresse. Am angegebenen Empfänger vorbeizuzustellen bringt dich schneller auf eine Sperrliste, als es dir den Warrior einreicht.
Umgangsformen
Die Core-War-Szene ist klein, freundlich und seit Jahrzehnten dieselbe. Ein paar Gepflogenheiten, die dort mehr zählen als anderswo:
Nenn deine Quellen. Fast jeder moderne Warrior baut auf jemandem auf.
Wenn du die Scan-Struktur von jemandem übernommen oder eine Idee aus einem
veröffentlichten Warrior weiterentwickelt hast, schreib es in die
;strategy-Zeile. Das ist dort kein Zugeständnis, sondern Grundanstand — und
es kostet dich nichts, weil ohnehin jeder sieht, woher etwas kommt.
Reich nicht im Minutentakt ein. Jede Einreichung rechnet der Server gegen das komplette Feld. Zehn Varianten hintereinander hochzuladen, um die beste zu finden, ist unhöflich — und überflüssig, weil du das lokal viel schneller und mit mehr Runden selbst messen können.
Gib deinem Warrior einen eigenen Namen. Klingt banal, aber „Test" und „Warrior1" stehen dann jahrelang in einer öffentlichen Rangliste.
Die Hall of Fame
Es gibt eine Auszeichnung, die man nicht beantragen kann: die Hall of Fame auf corewar.co.uk. Aufgenommen wird ein Warrior nach einem rein mechanischen Kriterium — dem Alter.
Das Alter zählt, wie viele fremde Einreichungen ein Warrior auf einem Verdrängungs-Hill überlebt hat, ohne verdrängt zu werden. Auf dem '94nop-Hill liegt die Schwelle bei 100. Wer sie erreicht, steht in der Hall of Fame; bei 1000 kommt man in die All-Time-Liste.
Das ist ein bemerkenswert gutes Kriterium, weil es nicht die Tagesform misst, sondern die Haltbarkeit. Ein Warrior, der einmal knapp auf Platz 1 landet und dann von den nächsten drei Einreichungen zerlegt wird, kommt nie hinein. Einer, der jahrelang auf Platz 8 steht und alles überdauert, schon.
Es dauert entsprechend. Bei ruhigem Betrieb auf einem Hill können 100 fremde Einreichungen Monate bis Jahre bedeuten.
Was du jetzt weißt
- Ein Hill ist eine fortlaufende Rangliste; Punkte sind relativ zum aktuellen Feld und ändern sich von allein.
- Verdrängungs-Hills sind klein und hart, unbegrenzte Hills sind ein Archiv. Sie messen Verschiedenes.
- Unentschieden sind ein Drittel Sieg wert — Überleben ist eine gültige Strategie.
- Ins Mittelfeld zu kommen ist Handwerk. Zwischen Platz 1 und 3 liegen 0,71 Punkte.
- Eingereicht wird per Nur-Text-E-Mail, Quelltext im Nachrichtentext,
Zeilen unter 70 Zeichen — und beim ersten Mal mit
;test. - Attribution ist in dieser Szene selbstverständlich.
Damit endet der Lernpfad. Wenn du tiefer einsteigen willst, geht es im Nachschlagewerk weiter: der vollständige Befehlssatz, alle Adressierungsmodi und die Strategie-Enzyklopädie mit den gemessenen Stärken und Schwächen jeder Klasse.
Die Feldzahlen stammen aus dem Königstuhl-Feld (1104 Warriors, Juli 2026). Die beschriebenen Formfehler sind eigene Erfahrung aus zwei gescheiterten Einreichungen im Juli 2026.